Wir hatten bzw. haben (einer kommt noch) 6 Grenzübertritte auf unserer Reise: Von Südafrika nach Botswana, von Botswana nach Zimbabwe, von Zimbabwe nach Sambia und zurück. Jedesmal war es anders, von easy bis nervig, aber eins haben sie alle gemeinsam: Solche Vorgänge wären in Europa undenkbar und die Wichtigkeit, mit der das Prozedere durchgeführt wird, steht in einem krassen Widerspruch zum Zustand der Länder.
Der letzte Grenzübertritt (Zimbabwe nach Botswana) nach einer zig kilometerlangen Zufahrt auf unbefestigten Wegen lief so ab: Wir betreten das Verwaltungsgebäude und sehen 4 Schalter, alle unbesetzt, es gibt auch keine weiteren Kunden. Wir stehen also da und warten und dann kommt ein Zivilist in T-shirt, Shorts und Flipflops und vertröstet uns. Es käme gleich jemand. Wir warten also und nach einer Weile kommt er zurück, stellt sich hinter den ersten Schalter und fängt schon mal an, uns zu bedienen. Wir füllen also Zettel aus mit unseren Daten (unsere IDs kann ich mittlerweile auswendig 🤣), er verlangt unsere Pässe, er überprüft und macht uns den Stempel in den Pass. Währenddessen kommt der richtige Grenzbeamte, sauber und in hübscher Uniform, (wahrscheinlich kam er vom Mittagessen), stellt sich auf unserer Seite neben uns und beobachtet den „Kollegen“, wie der seine Arbeit erledigt. Anschließend werden wir gebeten an den nächsten Schalter zu gehen. Der Zivilist wechselt ebenfalls zu diesem Schalter und nun müssen wir, wie überall, unsere Daten nochmal handschriftlich in eine Liste in einem großen Heft eintragen. In diesem Heft können wir problemlos sehen, wer heute, oder in den letzten Tagen alles diesen Grenzübergang benutzt hat: Name, Nationalität, Autonummer, Grund der Reise usw. Datenschutz Fehlanzeige! Der Zivilist entlässt uns und wir laufen zum Auto, aber bevor die Schranke zur Ausreise aus Zimbabwe sich öffnet, fragt uns der Schrankenöffner, ebenfalls ein Zivilist, ob wir Essen für ihn hätten. Wir gaben ihm zwei Konserven und er öffnete uns gerne den Schlagbaum. Nun erfolgen die Einreiseformalitäten von Botswana, ausgeführt von zwei Grenzbeamtinnen. Denen konnte es nicht schnell genug gehen, obwohl wir die einzigen sind und sie füllen einen Teil unserer Zettel aus. Wir sind fertig und freuen uns schon, dass es diesmal so easy war. Da kommt von der Seite eine gewichtige afrikanische Mama, ebenfalls in Zivilkleidung, und sagt uns, dass wir unsere Schuhe, die wir anhaben und ggf. weitere Schuhe aus dem Koffer nehmen müssen und die Sohlen in einen getränkten Putzlappen drücken müssen, um evtl. Bazillen (??) nicht nach Botswana einzuschleppen. Der Lappen sieht nicht sehr steril aus und dass nur Martin ihrer Aufforderung nachkommt (ich hatte sie nicht verstanden und mich schon ins Auto gesetzt) stört sie auch nicht weiter. Dann will sie noch in unsere Kühlschrankbox im Auto schauen, nach was, wissen wir gar nicht so genau. Martin macht also auf, sie geht auf die Zehenspitzen, kann aber trotzdem nichts sehen und gibt den Weg frei. Wir passieren die offene Schranke und kurze Zeit später überholen wir den auf der Straße laufenden Hilfsscheriff von der Ausreise.
An den größeren Grenzübergängen gibt es diese herumlungernden Zivilisten ebenfalls zu Hauf. Sie bieten sich immer sofort an, Dir bei allen Formalitäten zu helfen, was Du als Fremder gerne annimmst. Am Schluss musst Du nochmal irgendeine Versicherung oder Tax bezahlen, die man aber nur bar zahlen kann. Alle offiziellen Gebühren gehen auch mit Karte. Diese Zivilisten machen eigentlich immer die Arbeit der Grenzbeamten, die oft fernsehguckend hinter ihren Schaltern sitzen und dann oft nur den Stempel in den Pass drücken. An einer Grenze sollten wir nochmal 20$ zahlen und Martin reichte einen Schein, der in der Mitte einen kleinen Riss hatte. Den wollten sie nicht nehmen, sie wollen intakte Scheine! So vieles ist im Land im Argen, aber der Geldschein muss schön aussehen. Vorher warst Du auf einer verdreckten Toilette, wo eigentlich außer der nackten Kloschüssel nichts ist…. Aber all das muss man echt mal selbst gesehen haben – man kann es kaum beschreiben!
An den großen Grenzübergängen ist alles trubeliget, lauter, hektischer wegen der vielen LKWs (hatte ich ja ganz am Anfang unserer Afrikatour schon mal beschrieben). Und natürlich gibt es da an jedem Schalter lange Schlangen. Man darf da schon gerne mal mit 2 Stunden rechnen bis man überall durch ist. Das Wichtigste an den großen Übergängen ist der Laufzettel für die Einreise. Es ist ein Fress-Zettelchen, manchmal sogar mit vom Reißen ausgefransten Rändern, ca. 10×5 cm groß. Darauf steht Deine Autonummer und dann werden mit viel Wichtigkeit verschiedene Stempel draufgeknallt. Wieviele ist verschieden und hängt von der Anzahl der bedeutsamen Mitarbeiter ab. Einmal wurden wir gegen Ende der Prozedur noch an einen draußen im Schatten stehenden Tisch geschickt, wo ein Zivilist rumlümmelte und gelangweilt unseren Laufzettel in der hohlen Hand stempelte. Aber der Dame an der Schranke war das immer noch nicht genug: Sie schickte mich nochmals zu einem Schalter und verlangte einen weiteren Stempel auf dem Zettelchen. Die Beamtin, immerhin war es eine in Uniform, meinte, es seien nun alle Stempel drauf. Als ich ihr sagte, dass die Schrankenfrau aber noch einen wollte, rollte sie die Augen zur Decke und knallte noch einen Stempelabdruck drauf! Und dann – hurra! – konnten wir durchfahren.
Ich hoffe, ich konnte Euch mit meiner Schilderung einen hautnahen Eindruck von afrikanischen Gepflogenheiten vermitteln.


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